Medizin als Kunstform

01.03.2019
Unsere Mitarbeiter

Weil die Verordnung der richtigen Therapie zur richtigen Zeit besonderer Fähigkeiten bedarf, wird die Medizin oft auch als eine ,,Kunst“ bezeichnet. Bei der Entwicklung rekombinanter Zelllinien, die sich perfekt für die biopharmazeutische Verarbeitung eignen, legen auch Ruth Wagner, Gruppenleiterin bei F&E in der für Zelllinienentwicklung zuständigen Abteilung von Octapharma, und ihre Kollegen ein hohes Maß an Kunstfertigkeit an den Tag. Ruth Wagner ist fest davon überzeugt, dass man für ein erfülltes Berufs- und Privatleben bestehende Grenzen hinterfragen und neu definieren muss.

Ruth Wagner ist Group Manager F&E im Bereich Zelllinienentwicklung in Heidelberg

Die Biologie wurde Ruth Wagner sozusagen in die Wiege gelegt. Beide Elternteile waren Biochemiker. Ihr frühes Interesse an der Wissenschaft führt sie auf ihr Kindergartenalter zurück: ,,Meine Mutter hatte eine sehr rationale, gleichzeitig aber auch kindgerechte und verständliche Art, Themen wie Natur, Wissenschaft und sogar Chemie zu erklären. Das hat meine Fantasie geweckt. In der Schule brannte ich dann darauf, wissenschaftliche Projekte durchzuführen und alles über Biologie zu lernen.“ Ihre allgemeine Vorliebe für Biologie und Naturwissenschaften entwickelte sich weiter und Ruth Wagner wurde zunehmend auch von Lehrern inspiriert, die sie immer wieder dazu ermutigten, Neues zu lernen und zu entdecken.

Naturwissenschaften waren bei uns zu Hause täglich Gesprächsthema. Das war ganz normal und so entwickelte ich schon bald eine klare Vorstellung davon, was ich in dem Bereich tun könnte.

Ruth hat einen Doktortitel in molekularer Biotechnologie der Universität Heidelberg. Sie promovierte auf dem Gebiet der durch Adenoassoziierte Viren (AAV) vermittelten Gentherapie am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Während ihrer Promotion arbeitete sie eng mit ihrem wissenschaftlichen Mentor, Prof. Dr. Jürgen Kleinschmidt, zusammen. ,,Mein Doktorvater hat meine wissenschaftliche Laufbahn maßgeblich beeinflusst. Er hat sich während unserer Zusammenarbeit die Zeit genommen und mir ganz genau erklärt, wie sich das virale System entwickelt hat, um komplexe humanbiologische Systeme für die eigene Reproduktion zu nutzen und wie wir wiederum diese Informationen für Gentherapieprodukte verwenden können.“ Kleinschmidt unterstützte Ruth Wagner, wo er nur konnte, er stand ihr mit Rat und Tat zur Seite und ermutigte sie, nach neuen Lösungen zu suchen. ,,Jürgen war eine wandelnde Enzyklopädie. Er gab mir Feedback zu meinen Experimenten und Daten und spornte mich mit seinen Denkanstößen an.“

Während ihrer Zeit als Doktorandin hat Ruth Wagner außerdem mehrere Arbeiten auf dem Gebiet der AAV-Biologie veröffentlicht. Adenoassoziierte Viren lassen sich als virale Vektoren (sogenannte Genfähren) in vielen Bereichen der Gentherapie einsetzen, so auch bei Hämophilie.

Ruth Wagner ist Group Manager F&E im Bereich Zelllinienentwicklung in Heidelberg
Eine wissenschaftliche Reise

Die Lösung wissenschaftlicher Probleme erfordert Zeit, Ausdauer und Konzentration – Eigenschaften, die Ruth Wagner als begeisterte Reiterin im Umgang mit Pferden bereits umfassend kultivieren konnte. ,,Um ein Pferd gut und sicher führen zu können, muss man authentisch und konsequent sein und eine positive Einstellung haben“, so Wagner weiter. ,,Ich mag die Empfindsamkeit und die Konzentration, die man bei der Arbeit mit einem Pferd entwickelt. Früher war ich eher Turnierreiterin, heute versuche ich, die Sprache der Pferde zu erlernen.“ Aktuell absolviert sie eine Ausbildung in Pferdekommunikation. Dies macht sie nicht nur aus Interesse, sondern auch für ihre persönliche und berufliche Entwicklung. ,,Konzentration und Fokus sind beim Reiten sehr wichtig. Man muss vorausdenken, eine klare Vorstellung davon haben, was man dem Pferd beibringen möchte, und dieses Ziel dann konsequent verfolgen. Genau das Gleiche gilt auch für die Forschung.“

Angetrieben wird Ruth Wagner aber auch von ihrem Wissensdurst. Sie ist immer wieder fasziniert davon, wie die Natur biologische Vorgänge entwickelt und wie diese dann im menschlichen Körper interagieren.

Die Idee, einzelne Komponenten komplexer biologischer Vorgänge als Werkzeuge zu nutzen und daraus neue Medikamente zu entwickeln, finde ich unglaublich spannend.

Schlüsselfaktor für Innovationen ist das richtige Gleichgewicht zwischen verschiedenen Talenten in einem Team.
Mit dem Herzen bei der Sache

Ruth Wagner kam 2012 zu Octapharma und verstärkte als Wissenschaftlerin das für die Qualitätskontrolle (QC) in der analytischen Verfahrensentwicklung zuständige Team. 2014 wurde sie Gruppenleiterin F&E im Bereich Zelllinienentwicklung. ,,Um sich als junger Wissenschaftler oder junge Wissenschaftlerin behaupten zu können, braucht man Mut, Selbstvertrauen und Fokus. Dieses durchaus ambitionierte Ziel lässt sich nur erreichen, indem man bestehende Grenzen immer wieder hinterfragt und neu definiert“, so die Biologin.

Gemeinsam mit ihrem Team entwickelt und optimiert Wagner rekombinante Zelllinien, die als Produktionsplattformen für rekombinante therapeutische Plasmaproteine wie Nuwiq® dienen. ,,Unsere Aufgabe ist die Entwicklung und Optimierung dieser Zelllinien. Dazu nutzen wir modernste Technologien, wie zum Beispiel CRISPR/Cas 9. Mithilfe dieser Technologien können wir Zellen so modifizieren, dass diese innovative rekombinante Plasmaproteine produzieren, deren Eigenschaften auf die Anforderungen der Patienten zugeschnitten sind und die dann in entsprechenden Therapien eingesetzt werden können.“

Durch Modifizierung der Zelleigenschaften mittels genetischer Manipulation erfahren Ruth Wagner und ihr Team mehr über die Abhängigkeiten innerhalb des biologischen Systems. Sie folgen dabei konsequent dem Prinzip ,,Quality by Design“. Bei diesem systematischen Ansatz werden Informationen in Zelllinien integriert, die dann therapeutische Plasmaproteine mit überlegenen Eigenschaften produzieren, wie zum Beispiel längerer Bioverfügbarkeit bei Patienten.

Vielfalt fördert Innovation

Ruth Wagner legt großen Wert auf Diversität im Team. Sie ist überzeugt, dass die richtige Mischung verschiedener Talente wesentlich zur Innovation beiträgt.

Wer Innovation in der Forschung will, sollte über ein möglichst breit aufgestelltes Team verfügen. Mit so vielen klugen und motivierten Menschen zusammenzuarbeiten, die alle von Wissensdurst und wissenschaftlicher Neugier getrieben werden, ist einfach nur großartig.

Für die Biologin schafft Diversität Raum für Kreativität und eine Lernkultur, in der sich alle einbringen können und in der man sich gegenseitig respektiert und inspiriert. ,,Den Teamgeist zu spüren, wenn wir gemeinsam mit größter Motivation und wissenschaftlichem Input von allen Seiten wieder einmal eine zeitkritische und schwierige Aufgabe gemeistert haben, das ist für mich immer wieder schön.“ Wichtige Voraussetzung, um als Innovatorin und Wissenschaftlerin erfolgreich zu sein und Führungsverantwortung zu übernehmen, ist für Ruth Wagner neben ihren wissenschaftlichen Errungenschaften und ihrer wissenschaftlichen Arbeit eine offene und innovationsfreundliche Einstellung. ,,Ich lese gerne die großen deutschen Autoren. Die Art, in der sie ihre Gedanken in Worte fassen und ihren Überzeugungen Ausdruck verleihen, gefällt mir. Ihre Ausführungen sind manchmal so gut, dass man sogar seine eigene Meinung ändert und die Dinge aus ihrer Perspektive sieht.“

Rückblickend ist Ruth Wagner stolz auf das, was sie mit ihren Teams und für unsere Patienten bisher bei Octapharma erreicht hat. Ihre Freunde beschreiben sie als einfühlsame, sympathische und unkomplizierte Person. Ihre Ausdauer aber hat sie der Lebensgeschichte ihrer Eltern zu verdanken, die von Rumänien nach Deutschland geflohen sind. ,,Ich bin momentan sehr glücklich, denn auf meinem bisherigen Weg konnte ich auch sehr viel über mich selbst lernen.“

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