Blut ist entscheidend für das Wohl jedes einzelnen Menschen

01.03.2017
Innovation und Wissenschaft

Ich engagiere mich für den Aufbau eines zentralen Blutbanksystems in Saudi-Arabien. Eines meiner Hauptziele ist es, dass den Patienten, die sie benötigen, mehr Blutprodukte zur Verfügung stehen.

Dr. Tarek Owidah, Facharzt für Hämatologie, King Faisal Specialist Hospital & Research Centre, Riad, Saudi-Arabien

In Saudi-Arabien ist die ausreichende Verfügbarkeit von Blutspendern das größte Problem für den wachsenden Bedarf an Blutprodukten. Leider gibt es kein zentrales Blutbanksystem, deshalb muss jedes Krankenhaus in Eigenregie dafür sorgen, dass es durch Blutspenden über einen hinreichenden Vorrat verfügt. Ich engagiere mich für den Aufbau eines zentralen Blutbanksystems in Saudi-Arabien. Eines meiner Hauptziele ist es, dass den Patienten, die sie benötigen, mehr Blutprodukte zur Verfügung stehen. Wir haben eine gemeinnützige Organisation für Hämophiliepatienten ins Leben gerufen, durch die wir über die Krankheit aufklären und uns für Fördergelder und die Verfügbarkeit von Faktorpräparaten stark machen. Herausforderungen machen das Leben interessanter.

Wenn ein Patient Plasma benötigt, wird seine AB0-Blutgruppe festgestellt. Die Anfrage geht an die Blutbank, die dann basierend auf der Blutgruppe des Patienten und der erforderlichen Menge das beste Produkt für die Behandlung empfiehlt. Wir verwenden gefrorenes Frischplasma (GFP) und für Patienten mit seltenen Blutgruppen verwenden wir octaplas®. Das Plasma wird aus dem Gefrierschrank genommen und nach dem Auftauen auf Körpertemperatur erwärmt: 37° Celsius.

Am häufigsten werden Plasmatransfusionen im Rahmen von Operationen benötigt. Der Chirurg gibt prophylaktische Plasmainfusionen, um Blutungen während der Operation zu verhindern. Chirurgen machen sich vor allem bei Eingriffen in Hohlräumen des Körpers, im Bauch, im Kopf sowie bei orthopädischen Eingriffen Sorgen in Bezug auf Blutungen. Sie ergreifen gerne schon im Vorhinein die Initiative, um eine Blutung zu verhindern, vor allem während Organtransplantationen. Die zweithäufigste Patientengruppe, die langfristig Plasma bekommt, sind Menschen mit seltenen Mangelerkrankungen des Blutes, wie etwa Faktor X oder Faktor II. Diese Patienten sind vor allem bei einem Trauma, einer Verletzung, übermäßiger körperlicher Belastung und einer Operation anfällig für Blutungen. Sie benötigen regelmäßige Plasmainfusionen zur Erhöhung ihrer Blutgerinnungsfaktorwerte.

Ein großes Plasmavolumen verwenden wir für die Behandlung von Patienten mit Thrombotisch-thrombozytopenischer Purpura (TTP). In unserem Register befinden sich 100 TTPPatienten. TTP ist eine seltene, lebensbedrohliche Erkrankung, die mit einem starken Mangel des Enzyms ADAMTS13 im Zusammenhang steht. Oft führt diese Erkrankung zu Nierenversagen und neurologischen Symptomen. Bei der TTP ist ein Plasmaaustausch nötig und wir verwenden normalerweise GFP, bei seltenen Blutgruppen octaplas®. Diese Patienten erhalten ein großes Plasmavolumen. Im akuten Krankheitszustand kann der Plasmaaustausch zwischen fünf Tagen und bis zu einem Monat dauern, je nach Ansprechen des Patienten. Es gab bei uns einen interessanten TTP-Fall: Eine junge Frau hatte bei der Entbindung Präeklampsie.

Sie hatte TTP und brauchte zwei Monate lang täglich einen Plasmaaustausch. Sie hatte die seltene Blutgruppe AB. Daher war es schwierig, genügend Spender für ihre Versorgung mit Plasma zu finden. Sie erhielt zwei Monate lang täglich 13–15 Beutel octaplas®. Im vergangenen Jahr erhielt sie eine routinemäßige Ersatztherapie mit octaplas®.

Blutprodukte sind Teil so vieler medizinischer Fachgebiete. Es ist ein dynamischer und schnell wachsender Bereich der Medizin. Seit ich vor 18 Jahren angefangen habe zu praktizieren, gab es enorme Erkenntnisgewinne. Es ist ein faszinierender und wichtiger Bereich, weil Blut für das Wohl jedes einzelnen Menschen entscheidend ist.

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